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Beim Ende des zweitenWeltkrieges war es um Aljechin einsam geworden.Von
Land zu Land hatte er fliehen mussen, bis nadi Portugal, weiter ging es nidit
im alten Erdteil. Politisdi hatte er sich in den letzten Jahren viele Feinde
gemacht; personlidie Freunde waren ihm kaum gefolgt. Seine Krafte waren
durdi die Ereignisse 1944/45 und wohl aucfa durdi die ungesunde Lebensweise,
der er sich in der letzten Zeit hingegeben hatte, arg geschwådit. Er durfte gefuhit
haben, dafi er nun keine sdrweren Kampfe mehr wtirde bestehen konnen. Nur
von Måzenen und Schaustellungen zu leben, entsprach nicht seinem Ethos. Zeit-
lebens hatte er den Purpur des Schachherrschers getragen und hatte ihn, sehr
bezeichnend, in den Augen der Allgemeinheit audi von 1935 bis 1937 nidit
abgelegt. Er war ein koniglidier Mensch von Geburt, ahnlidi wie die byzan-
tinische Kaiserin Theodora.
Als bei dem gefahrlidien Nika-Aufstand vom Jahre 532 ihr Gatte Justinian
sdion weichen wollte, hatte sie gesagt: "Ich mag nicht ohne den Purpur sein
und will den Tag nicht erleben, an dem mich die, die mir begegnen, nidit
mehr Herrin nennen!"
Wenn die offizielle Darstellung riditig ist, daB Aljechin eines naturlidien
Todes gestorben ist, so kann man nur sagen: Die Gotter liebten ihn bis zu
seinem Tode, sie haben ihn im rechten Augenblick zu sich genommen. Bei ihin
wåre es aber auch nicht zu tadeln, wenn er freiwillig die Tur geoffnet haben
sollte, die zwischen dem Leben und dem Unerfahrbaren liegt.
Er war sehr mude; wenn er Kombinationen uber die Zukunft anstellte, so
ergaben sich, soviel er auch griibelte, keine erfreulichen Wendungen. Zum ersten-
mal mochte ihm auch die Heimat fehlen, die er im Jahre 1921 verlassen und
nicht wieder gesehen hatte. Er mag sich gedadit haben, was Plato den Sokrates
vor seinem Tode sagen laBt:
"Auch mir ist das alles bis heute nicht von ungefahr widerfahren.und idi
weiB gewiB, daB es besser fiir mich ist, jetzt zu sterben und der Plackerei
ledig zu werden."
Mutig,wie er gelebt hatte, ist er aus dem Leben gegangen. In der alt-
griechischen Zeit, die wir gerade beschworen haben, hatte man ihn unter die
Haibgotter versetzt. Sein Name wird nicht vergehen, solange auf Erden-Schach
gespielt wird.
DaB seine Schöpfungen einem moglidist groBen Kreis nahergebracht werden,
dazu moge dieses Buch beitragen.